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Werkkommentar



InitialIn meinen Kompositionen versuche ich den Verbindungen der verschiedenen Lebensbereiche nachzuspüren: den verborgenen Ähnlichkeiten von innerer und äußerer Welt, von Intellekt und Affekt, von Wissenschaft und Kunst. Auch in den Wissenschaften gibt es heute diese Tendenz, in der Vielfalt der Erscheinungen nach übergreifenden Gesetzmäßigkeiten zu suchen. Doch die Forschung der Kunst gehorcht anderen Gesetzen. Ihre Methoden sind subjektiv, ihr Ergebnis ist Variation.

Eines der Themen, die ich variiere, ist der Aspekt der Bewegung. Dafür eignet sich die Musik von allen Künsten zweifellos am besten, denn sie stellt Bewegung nicht bloss dar, sondern ist selbst Bewegung. Was heisst es, Bewegungabläufe zu komponieren? Einige Gedankensplitter aus dem Katalog der möglichen Antworten: Ausmessen des physikalischen (äusseren) und des harmonischen (inneren) Raums; Wechsel zwischen Schärfe und Unschärfe der Gestalten; die Spannung zwischen der Expansion des Klangs und dem Abenteuer der Mikrostruktur; Klangprozesse, die zu psychischen Energieströmen werden; Anstösse geben, die natürliche Trägheit der Materie überwinden, wodurch sich neue Dimensionen des Denkens und Fühlens öffnen... Und immer die Frage: Woraus entsteht Klang, woraus Bewegung? Was ist Impuls, was ist Nachhall?

Das Werk entstand 2005 im Auftrag von Radio Suisse Romande / Espace 2 zur Uraufführung beim Festival Les amplitudes in La Chaux-de-Fonds.

Bettina Skrzypczak, 2007



Presse


Pour terminer, "Initial", commande d’Espace 2 à Bettina Skrzypzak, donné dimanche en création mondiale à la Salle de musique par l’Orchestre de Chambre de Lausanne dirigé par Marco Angius, raffine à l’infini les procédés sonores, frissonnements irisés, quarts de ton. On découvre en fin de compte une recherche fervente de l’intensité expressive et une puissante invention formelle.

Denise de Ceuninck, dans L’Impartial, 15.5.2007

In ihrem Orchesterstück "Initial" entwirft die in der Schweiz lebenden Polin eine zerklüftete, farblich reich schattierte Klanglandschaft. Geheimnisvoll irisierende Streicherflächen, die Polarität zwischen schlagzeuggrundiertem Ausbruch und jähem Absturz in hohle Bassregionen sowie eine unruhige, durch Mikrointervalle angereicherte Harmonik prägen den Charakter dieser ausdrucksstarken Musik.

Max Nyffeler in: Neue Musikzeitung (NMZ) Nr. 6, Juni 2007