Klang und Geräusch bedingen einander, das eine geht aus dem andern hervor. Doch die Voraussetzung von beidem ist der Atem. Daran erinnert der Anfang meiner Komposition: Aus einem präzis strukturierten "Urgrund" von Luftgeräuschen und dem Rascheln der shell chimes schält sich der Klang langsam heraus. Er erhält im weiteren Verlauf immer grössere Präsenz, auf dem Höhepunkt entfaltet er sich zu rhythmisch fein verhäkelten Texturen. Im Schlussteil ("mit viel Ruhe, misterioso") wird er zwar durch vereinzelte Geräuschelemente wieder eingetrübt, bleibt aber, wenn auch in zunehmend atomisierter Gestalt, als Klang bis in die Schlusstakte hinein präsent.
Das einsätzige Werk bildet einen grossen, durch Zäsuren und Momente des Innehaltens gegliederten Spannungsbogen, der eine Ähnlichkeit mit dem Vorgang des Ein- und Ausatmens haben mag. Das italienische Wort soffio kann mit Hauch, Luftgeräusch oder Inspiration übersetzt werden. Die Redewendung in un soffio bedeutet aber auch soviel wie "im Nu" und verweist damit auf den Aspekt des schnellen Vollzugs und der erfüllten Zeit.
Das Werk ist ein Auftrag des Arion-Quintetts und wurde von diesem am 2.2.2004 in Basel uraufgeführt.
Bettina Skrzypczak (2004)