ungesicherten Zukunft, die für Hellhörige wie Skrzypczak bereits ihre Spuren in der Gegenwart zeigt. Ein instabiler, mikrotonal ausfasernder Tritonusklang geistert durch das
ganze Werk; er lädt es mit einer hintergründigen Dauerspannung auf und erzeugt ein zwischen sinnlicher Lockung, Klage und Zukunftsahnung vieldeutig oszillierendes Ausdrucksgemisch. Überfallartig einsetzende Schlagzeuggewitter bilden dazu einen harten Kontrast, dunkle, geheimnisvolle Bläserakkorde lassen die Zeit stillstehen und öffnen eine Perspektive in noch unbekannte Dimensionen. Was Luigi Nono einst in seinem „Prometeo“
unvergleichlich vorgemacht hat, wird hier vor dem Hintergrund der brüchig gewordenen Gegenwart neu formuliert: der Entwurf einer schwachen, ungewissen Utopie in einer Welt der Gewalt. Das alles erschließt sich freilich nur dem genauen Zuhören. Und hier liegt denn auch der Schlüssel zum Verständnis dieses rätselhaften Werks, das mit den neuen Möglichkeiten eines kritischen Zeitbezugs subtil zu spielen versteht.
Frankfurter Allgemeine Zeitung vom 7.9.2022