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Werkkommentar



...e subito parlandoDie Kernidee der Komposition ist wie in vielen meiner Werke mit dem Gedanken des Prozesshaften verbunden. Das manifestiert sich im fliessenden Charakter der musikalischen Materie, in der evolutiv konzipierten Harmonik und nicht zuletzt in der Geschlossenheit der einsätzigen Gesamtform. Es ging mir darum, einen Organismus zu schaffen, der in ständiger Verwandlung begriffen ist, einen Prozess, an dem alle Instrumente gleichermassen beteiligt sind. Der Klang des Klaviers bildet dabei die verbindende Substanz.
Der Titel der Komposition bezieht sich auf den Schlussteil, in dem die quasi rhetorische Geste des Klaviers dominiert. Die Problematik des Gestischen in der Musik beschäftigt mich in der letzten Zeit besonders, und so kann man den Titel auch aus diesem weiteren Kontext heraus verstehen.
Die Komposition entstand im Auftrag von Felix Renggli, Emanuel Abbühl, François Benda, Sergio Azzolini, Christian Lampert und Jan Schultsz und ist ihnen gewidmet.

Bettina Skrzypczak 



Presse


Überraschend beginnt das Stück mit einem leisen, sehr hohen Fagott, das sich bald mit der Klarinette zu einem beinahe brüchigen Duo vereint. Doch schon setzt eine behutsame, zunächst klangliche Verwandlung ein, und aus einem Ruhemoment heraus entsteht schliesslich eine dichte, schnelle Bewegung, die immer die klangliche und strukturelle Metamorphose sucht.
So wird das Werk zu einem Organismus von sechs Musikern; wie ein lebendiges Wesen entsteht die Musik im Raum, nicht zuletzt dank einer von Bettina Skrzypczak genau ausgehörten formalen Dramaturgie. Es gibt Stellen, die momentweise an das frühere Klavierkonzert der Komponistin erinnern, gerade das Klavier wird mitunter konzertant behandelt und erhält kleine Kadenzen – wie bei Mozart. Und der Schluss, wo unerwartet, aber dennoch im genau richtigen Moment wieder Ruhe einkehrt und der Klavierklang melancholisch davonschwebt, berührt. Ein starkes Stück.

Alfred Zimmerlin, Neue Zürcher Zeitung vom 20.11.2012


...ein raffiniert gediegenes Musizieren... Über dem tastenden Beginn entwickelte sich ein eigener, melodiös aufgefächerter Sehnsuchtston, der in ein feines Flimmern überging, sich schließlich beruhigte und nach einem Intermezzo des Klaviers fast im Stillstand endete: eine auf seltsame Art schöne, harmonische Musik.

Klaus Kalchschmid in der "Süddeutschen Zeitung" vom 21.2.2015


(...) Lichtjahre entfernt erklingt ein einsamer Gesang des hohen Fagotts und eröffnet Bettina Skrzypczaks "...e subito parlando" wie einst Strawinskis "Sacre". Eine Welt wunderlicher Impressionen, arpeggierender Klavierphantasien lässt die modern-archaische Sphäre der Flötennymphe Syrinx auferstehen, in die sich Mikrotonalität und Mehrklänge einranken, als gäbe es kein Gestern und kein Heute. Und doch, vielleicht einen Traum haben diese verschiedenen Welten gemein: "Quelque chose en vous grandit et détache les amarres, jusqu’au jour où, pas trop sûr de soi, on s’en va pour de bon. Un voyage se passe de motifs. Il ne tarde pas à prouver qu’il se suffit à lui- même. On croit qu’on va faire un voyage, mais bientôt c’est le voyage qui vous fait, ou vous défait." (Nicolas Bouvier, L’usage du monde)

Christoph Haffter in "Dissonanz/Dissonance" Nr. 125, März 2014
(CD-Rezension)
Il Sestetto di Skrzypczak è ammirevole per la densità della scrittura ben arginata dalla volontà di concisione, per la teatralità dei gesti musicali che creano una contrapposizione drammatica frai i cinque fiati e il pianoforte. I fiati entrano sulla scena musicale uno dopo l’altro, con un tempo lento, gravido di attese, e il pianoforte appena li sorveglia. Assieme si scatenano in un tempo velocissimo e sprigionano un vigore che arriva al parossismo e quasi impedisce all’ascoltatore di decifrare gli intrecci polifonici. Ma il pianoforte si insinua fra loro, li contrasta, conculca l’euforia, poco a poco li costringe al silenzio e in un silenzio funereo si spegne la composizione, come la rosa in fiore di Ronsard che appassisce e muore: „battue ou de pluie ou d’excessive ardeur, languissante elle meurt, feuille à feuille déclose.“ È una tra le possibili letture soggettive, un consenso dovuto dall’ascoltatore se avverte nel compositore la coscienza di filtrare con l’astratta scrittura musicale le emozioni, i pensieri della propria  umana esperienza. E nell’auditorio del nostro Conservatorio i consensi del pubblico al lavoro di Bettina Skrzypczak sono stati molto calorosi.

Enrico Colombo in La Regione, 19.11.2012


NZZ artikel