aus Partitur 'Vier Figuren'

Initial

für Orchester

In meinen Kompositionen versuche ich den Verbindungen der verschiedenen Lebensbereiche nachzuspüren: den verborgenen Ähnlichkeiten von innerer und der äußerer Welt, von Intellekt und Affekt, von Wissenschaft und Kunst. Auch in den Wissenschaften gibt es heute diese Tendenz, in der Vielfalt der Erscheinungen nach übergreifenden Gesetzmäßigkeiten zu suchen. Doch die Forschung der Kunst gehorcht anderen Gesetzen. Ihre Methoden sind subjektiv, ihr Ergebnis ist Variation.

Eines der Themen, die ich variiere, ist der Aspekt der Bewegung. Dafür eignet sich die Musik von allen Künsten zweifellos am besten, denn sie stellt Bewegung nicht bloss dar, sondern ist selbst Bewegung. Was heisst es, Bewegungabläufe zu komponieren? Einige Gedankensplitter aus dem Katalog der möglichen Antworten: Ausmessen des physikalischen (äusseren) und des harmonischen (inneren) Raums; Wechsel zwischen Schärfe und Unschärfe der Gestalten; die Spannung zwischen der Expansion des Klangs und dem Abenteuer der Mikrostruktur; Klangprozesse, die zu psychischen Energieströmen werden; Anstösse geben, die natürliche Trägheit der Materie überwinden, wodurch sich neue Dimensionen des Denkens und Fühlens öffnen... Und immer die Frage: Woraus entsteht Klang, woraus Bewegung? Was ist Impuls, was ist Nachhall?

Das Werk entstand 2005-2007 im Auftrag von Radio Suisse Romande / Espace 2 zur Uraufführung beim Festival "Les amplitudes" in La Chaux-de-Fonds.

Bettina Skrzypczak, 2007

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